Bericht Dr. Hannah May, Kathmandu, Pashupati Welfare Center

Der Himmel war strahlend blau an dem Tag, an dem ich Ursula Ochs kennenlernte. Man sagte mir, dass sei ungewöhnlich in Kathmandu. Oft sei „Dustmandu“ grau und unter einer dunklen Smog Decke gefangen.

Wir trafen uns an der beeindruckenden Stupa von Bodnath, dessen goldene Kuppel in der Sonne strahlte. Ich lief wie vorgeschrieben im Uhrzeigersinn zu dem Café und drehte im Vorbeilaufen an den unzähligen Gebetsmühlen. An diesem mystischen Ort lernte ich Frau Ochs mit Tränen in den Augen kennen. Sie saß ganz nah neben einer nepalesischen Frau, deren Gesicht von Angst zerfressen schien: Frau Thapa, die Mutter des von Direkthilfe Nepal e.V. unterstützen Schülers Pratham. Die zierliche Frau erzählte gerade, dass ihr Brustkrebs gestreut habe. Er sei schon in den Knochen und weitere Therapien seien nicht möglich, da sie keine Krankenversicherung habe. Beide Frauen weinten und nahmen sich in den Arm. Doch die größte Sorge von Frau Thapa sei nicht ihr eigener Tod, sondern die Zukunft ihres Sohnes. Als alleinerziehende Mutter, die für die Ausbildung ihres einzigen Sohnes nach Kathmandu gezogen sei, wisse sie nicht, wer sich um ihn kümmern könne. Außerdem hätten sich seine Schulleistungen verschlechtert, was die Angst vor einer Einstellung der finanziellen Unterstützung durch Direkthilfe Nepal e.V. schüre.

Frau Ochs konnte ihr keine Heilung versprechen, aber sie versprach ihr die Unterstützung von Pratham bis zu seinem Schulabschluss. Unabhängig von seinen Schulleistungen. Er wird einen Schulabschluss erwerben und sich damit seine Zukunft sichern. Außerdem werde sie sich um eine Krankenversicherung kümmern, um weitere Therapieoptionen zu ermöglichen. Als Frau Thapa dies begriff, hörte sie auf zu weinen und ganz langsam und vorsichtig ging ein Lächeln über ihr Gesicht. Sie dankte Frau Ochs ein ums andere Mal und man konnte ihr die pure Erleichterung ansehen. Eine sichere Zukunft ihres Sohnes drängte ihre eigene, ungewisse Zukunft in den Hintergrund. Sie hatte es mit Hilfe von Direkthilfe Nepal e.V. geschafft, ihrem Sohn einen Schulabschluss und somit eine eigenbestimmte Zukunft zu ermöglichen. Das macht sie stolz und ihr Leben lebenswert.

Doch Direkthilfe Nepal e.V. unterstützt nicht nur die jungen Menschen in Nepal, auch die älteren Menschen erhalten Hilfe. Im Pashupati Social Welfare Centre leben 167 hilfsbedürftige, ältere Menschen. Das Elderly Home ist ein Teil des Pashupati Nath, eine der wichtigsten hinduistischen Tempelstätten Nepals. Die Bewohner des Elderly Homes schlafen in den Tempelgängen, welche um einen wunderschönen Innenhof gruppiert sind. Pashupati Nath bedeutet „Herr des Lebens“ – eigentlich ein würdiger Ort zum Lebensende.

Die Verhältnisse vor Ort sind jedoch nicht so würdig wie es der Name des Ortes vermittelt. Im Winter wird es in den Tempelgängen unerträglich kalt und den Bewohnern fehlt es an warmer Kleidung und Heizmöglichkeiten. Es existiert kaum medizinische Versorgung und an frischem Obst und Gemüse mangelt es. Direkthilfe Nepal e.V. unterstützt die Bewohner schon seit vielen Jahren, es wird jedoch immer schwerer, da die Behörden Sachspenden kaum noch akzeptieren.

Frau Ochs sind diese Menschen jedoch sehr ans Herz gewachsen, weshalb sie auch dieses Jahr wieder eine Obstspende an das Elderly Home liefern möchte. Nur weil Frau Ochs der Heimleitung schon bekannt ist und sie nachdrücklich auf eine jährliche Sachspende besteht, darf das Obst an die Bewohner verteilt werden - von den Mitarbeitern. Uns ist es erlaubt zuzuschauen und mit den herzlichen Menschen zu reden. Sie freuen sich unglaublich über ihre 340 Äpfel, 170 Bananen, 170 Mandarinen und 170 Birnen. Eine riesige Menge, die kaum in unser Taxi gepasst hat. Vorne in der Reihe angekommen, packt jeder sein Obst in ein um den Bauch gewickeltes Stofftuch. Es soll als Vorrat dienen - kaum einer isst sofort. Es ist so schön zu sehen, wie manch einer Frau Ochs erkennt und sie umarmt und ihr dankt. Es ist also ein Ort, in dem nicht jeder sofort dem Tod begegnet. Manche kennt Frau Ochs schon seit zehn Jahren.

Ich danke Frau Ochs für die Möglichkeit, sie einen Tag begleitet zu haben, wobei ich all die wunderbaren, herzlichen Menschen kennenlernen durfte. Frau Ochs Stärke, ihre Offenheit und ihr Engagement sind beeindruckend und ich hoffe, dass in Zukunft noch viele weitere Menschen in Nepal durch Direkthilfe Nepal e.V. unterstützt werden können.

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